Andreas Dörschell, WPK-Präsident und Spitzenkandidat

„Wir haben noch viel vor.“ – Andreas Dörschell im Gespräch (Teil 1 von 4)

Wer ist der Mann, der die Dörschell-Liste anführt? In einer vierteiligen Interviewserie spricht Andreas Dörschell über seinen beruflichen Weg, über das, was in 3,5 Jahren als WPK-Präsident geleistet wurde, über die Themen, die unseren Berufsstand heute bewegen – und über das Programm, mit dem er und 47 weitere Kandidatinnen und Kandidaten in die Beiratswahl 2026 gehen. Der Auftakt: persönlich.

Wer sind Sie?

Ich bin Andreas Dörschell, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Diplom-Ökonom. Ich bin verheiratet, 59 Jahre alt, und bin Geschäftsführer einer größeren mittelständischen WPG, FALK & Co, in Mannheim und Heidelberg mit ca. 400 Mitarbeitern, einschließlich rd. 35 WPs.

Eigentlich bin ich ein Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen bin ich in Gelsenkirchen. Dort habe ich über 30 Jahre gelebt. Ich habe dort mein Abitur gemacht und habe in Bochum studiert.

Wie sind Sie zur Wirtschaftsprüfung gekommen?

Mir hat das mathematisch ausgerichtete Studium der Betriebswirtschaft in Bochum gelegen. Und ich hatte mit Walther Busse von Colbe einen der ganz großen Hochschullehrer seiner Zeit – gerade in der Konzernrechnungslegung und Unternehmensbewertung. Ich habe bei ihm meine Diplomarbeit zu einem Thema der Unternehmensbewertung geschrieben. Dann habe ich noch ein Praktikum bei einer kleineren WPG, der Treuhand West GmbH, in Gelsenkirchen gemacht und den ersten Wirtschaftsprüfer kennengelernt. Das alles war dann wegweisend für mich.

Sie sind also nicht WP in dritter Generation?

Nein, meine Eltern waren Einzelhändler. Wir hatten einen kleineren Eisenwarenladen in Gelsenkirchen. Ich habe schon als Jugendlicher hinter der Theke gestanden. Geschadet hat es mir nicht. Ich habe gelernt, auf Kunden zuzugehen und sie zu beraten. Aber mein Weg sollte ein anderer sein. Meine Eltern stammten aus einer Generation, die wollte, dass es ihren Kindern einmal besser geht. Und so haben sie mich und mein Studium nach Kräften gefördert. Ich werde ihnen dafür immer dankbar sein.

Welche Berufserfahrung haben Sie?

Ich bin jetzt seit mehr als 30 Jahren in der „Szene“. Ich habe mehr oder weniger alle Segmente des WP-Berufs durchlaufen. Ich kenne die schönen Seiten, aber auch die Sorgen und Nöte aller Segmente – und das ist nicht die schlechteste Voraussetzung als WPK-Präsident:

Ich war 6 Jahre – von 1995 bis 2000 – Fachreferent beim IDW und für Unternehmensbewertung sowie für nationale und internationale Rechnungslegung zuständig. Ich war bei zwei der Big4-Gesellschaften tätig und habe dort meine ersten Bestätigungsvermerke erteilt. Später habe ich mit zwei WP-Kollegen eine auf Unternehmensbewertung spezialisierte WPG gegründet und knapp 8 Jahre lang erfolgreich aufgebaut. Ich war Vorstand einer mittelständischen WPG in Krefeld und bin nun schon seit knapp 8 Jahren Geschäftsführer bei FALK & Co in Mannheim und Heidelberg.

Würden Sie Ihren Beruf wieder wählen?

Mir hat der Beruf immer sehr viel Freude gemacht und tut das bis heute, auch wenn sich das Berufsbild ständig wandelt. Ich lerne täglich dazu. Es ist ein freier Beruf mit viel Verantwortung – ein klares Ja!

 
Andreas Dörschell und das Team der Liste

Was ist Ihnen außerhalb Ihrer beruflichen Tätigkeit am wichtigsten?

Leben und Reisen mit meiner Frau, das Zusammensein mit lieben Freunden, die nicht alle Wirtschaftsprüfer sind, der Laufsport und gute Literatur. Im Moment: Uwe Johnson, Jahrestage – zum zweiten Mal.

Sie haben in den letzten 3,5 Jahren als Präsident der WPK schon viel bewegt. Warum treten Sie noch einmal an?

Weil wir noch nicht zu Ende gekommen sind. Wir haben in der laufenden Legislatur die Grundlagen geschaffen, um noch viel mehr zu bewegen. Wir haben die WPO-Novelle auf den Weg gebracht, an der der WPK-Vorstand seit mehr als sechs Jahren arbeitet. Hier geht es hoffentlich bald in die sachgerechte Umsetzung. Es gilt, das Berufsbild weiter spannend und attraktiv für den Nachwuchs zu gestalten und dabei u. a. den berufsrechtlichen Rahmen für den sinnvollen Einsatz von KI zu setzen. Auch beim WP-Examen sind wir mit der umgesetzten Modularisierung auf einem vielversprechenden Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Das E-Examen ist inzwischen angeschoben, doch wir müssen weitere Schritte unternehmen und z. B. erweiterte Möglichkeiten der Anrechnung von Studienleistungen prüfen. Und es gilt, weitere Regulierungen und Angriffe auf unsere berufliche Selbstverwaltung abzuwehren und – wo möglich – Bürokratie abzubauen.

Vor allem darf ich in einem guten Team spielen, und das macht Freude. Das betrifft den gesamten jetzigen WPK-Vorstand, aber auch Beiratsmitglieder quer durch die Fraktionen und die Geschäftsstelle. Hervorheben möchte ich dabei die Zusammenarbeit mit dem Beiratsvorsitzenden Dr. Karl Petersen, der auch ständiger Gast in Vorstand und Präsidium ist. Er ist ein versierter Ratgeber mit berufspolitischem Gespür. Dadurch, dass er im Beirat sämtliche Fraktionen in die Diskussion einbezieht, hat er zudem großen Anteil an dem respektvollen Umgang miteinander. Ich würde mir wünschen, dass wir beide als bewährtes Team so weitermachen können wie bisher.

Das bedeutet natürlich nicht, dass alles genauso weitergehen soll. Zwar kandidieren viele der aktuellen Vorstands- und Beiratsmitglieder meiner Liste bei der WPK-Beiratswahl 2026 erneut, und ich freue mich über jede erfolgreiche Kandidatur. Genauso freue ich mich aber auch über neue Gesichter und neue Impulse, gerade auch von jüngeren Berufskollegen.

Was bedeutet „noch nicht zu Ende gekommen“ konkret? Was hat der Vorstand in 3,5 Jahren tatsächlich erreicht – und welche Aufgaben sind noch offen? Darum geht es im zweiten Teil dieser Serie, der hier am 20. Mai erscheint.

Teilen Sie diesen Beitrag in den sozialen Medien:

[shariff]

Weitere Beiträge

Grafik zum Abonnieren des Newsletters

Abonnieren Sie unseren Newsletter!