Ein Beitrag von Christian Dreyer (Diplom-Kaufmann, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer) der auf unserer Dörschell-Liste für den WPK-Beirat kandidiert.
Die Diskussion um eine Honorarordnung für Wirtschaftsprüfer ist nicht neu. Bereits in meiner Amtszeit von 2010 bis 2014 stand dieses Thema auf der Agenda – und auch damals scheiterte sie an einer ganz grundlegenden Frage: Wie soll eine sachgerechte Honorarordnung überhaupt aussehen?
An welchem Maßstab soll man sich orientieren? Umsatz? Bilanzsumme? Auslandsbezug? Jeder dieser Ansätze wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet. Eine wirklich sinnvolle Bemessungsgrundlage war damals nicht zu finden – und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Mindesthonorare tendieren erfahrungsgemäß zur Deckelung. Das kennen wir aus den 90er- und den 00er-Jahren, als Stundensätze nach Qualifikation für gemeindliche Betriebe bzw. öffentliche Unternehmen faktisch zur Obergrenze wurden. Wer noch ein WP-Handbuch, 13. Aufl., 2006 besitzt, kann es auf Seite 191 nachlesen: Qualifikationsstufe 1 (WP): Gebührensatz/h € 89,75, Qualifikationsstufe 2 (StB, RA, vBP, erfahrene Prüfer mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung): € 69,30, Qualifikationsstufe 3 (Prüfer mit weniger als zweijähriger Berufserfahrung): € 52,70. Das war damals schon zum Leben zu wenig.
Die Gefahr, dass sich der Markt zudem an niedrigen Stundensätzen orientiert, ist real – und schwer zu verhindern.
Und noch ein grundsätzlicher Gedanke: Honorarordnungen schützen in der Regel den Nachfrager – nicht den Anbieter. Das sollte aus den vorgenannten Stundensätzen sehr deutlich geworden sein. Bei Abschlussprüfungen lässt sich eine solche Ordnung aber kaum mit Verbraucherschutzargumenten begründen.
Nicht zuletzt hat der EuGH im Juli 2019 die Mindesthonorare für Architekten als unvereinbar mit EU-Recht eingestuft – ein deutliches Signal, das auch für unsere Branche relevant ist.
Fazit: Eine Gebührenordnung für Wirtschaftsprüfer klingt auf den ersten Blick nach Ordnung und Verlässlichkeit. Auf den zweiten Blick bringt sie deutlich mehr Probleme als Lösungen. Der Wettbewerb – mit all seinen Herausforderungen – bleibt das überzeugendere Modell.
Wie sehen Sie das? Ich freue mich auf den Austausch!
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